ITALIEN ROADTRIP - PLEITEN, PECH UND PANNEN - MITTELLOS IN ITALIEN

Mit fast einer Woche Verspätung, starte ich zu meinem Roadtrip, Richtung Italien. Mein erstes festes Ziel ist in 4 Tagen - Salerno. Von dort aus geht es mit der Fähre weiter nach Palermo auf Sizilien. Nicht geplant waren, Werkstattbesuche, Überschwemmungen in Neapel und alles was danach noch kam, bis zum Besuch der Polizeistation in Salerno. Ob ich Sizilien wohl erreiche?

 

Es ist früh am Morgen, ich bin ausgeschlafen und freue mich auf 2 Wochen Roadtrip nach Italien - Ziel, Sizilien. 

 

Leider starte ich schon mit einer Woche Verspätung, da mir noch eine starke Erkältung dazwischen kam und somit ist es nicht mehr ganz so entspannt, Salerno anzufahren, um dort in 4 Tagen meine Fähre nach Palermo zu erreichen.

 

Das Wetter ist durchwachsen, Wolken und Regen schon beim Start, ein Grund mehr, Richtung Süden aufzubrechen. Oder?

 

Ich fahre heute mit einem neuen Navi, das mich nicht so wirklich überzeugte und so kommt es auch, dass es mich nicht schnurstracks die Autobahn entlang führte, sondern über den Jaufenpass und ich mich plötzlich mitten in den Bergen Italiens wieder finde. Serpentinen rauf und wieder hinunter. Ist ja nicht so, als würde ich es nicht lieben, und die Aussicht war ja auch traumhaft schön, doch eigentlich habe ich gar keine Zeit für solche "Späßchen", denn ich wollte heute noch Genua erreichen und eventuell dann doch noch ein wenig davon sehen.

 

 

Über Meran kam ich dann, gefühlte Stunden später, in Bozen wieder auf die Autobahn. Es war sonnig, warm und wirklich nicht viel los, so dass man "Vollgas", also die erlaubten 90 km/h,  wegen Dauerbeschränkungen,  fahren konnte und ich ziemlich gut durch kam.

 

In Höhe von Peschiera, am Gardasee, sprang dann eine Leuchte im Auto an, die Motorkontrollleuchte,  was wohl kein gutes Zeichen ist. 

 

Hach ja, ich Frau, keine Ahnung von Autos, noch dazu fahre ich den Wagen erst seit ein paar Wochen, Panik pur. 

 

Fahre also die nächste Tankstelle an und suche mir eine Werkstatt in der Nähe, um das checken zu lassen. Ich hab ja Zeit. 😉

 

Wie es so ist, war das Lämpchen längst aus, bis ich an der Werkstatt ankam. Ich erklärte kurz, mit Händen und Füßen, was war und er meinte, ich soll doch die nächste Werkstatt anfahren, sobald es wieder auftritt. Zumindest habe ich das so verstanden.

 

Ok, da kostete mich jetzt knapp 2 Stunden, aber egal. Mittlerweile ist es kurz vor 5 und ich stehe immer noch in der Gegend vom wunderschönen Gardasee - ca. 300 km noch bis Genua - läuft!

 

Tatsächlich habe ich Glück, es ist weiterhin nicht viel los auf den Straßen, so dass ich schneller als gedacht, ok, etwas schneller, schon kurz vor Genua bin.

 

Der letzte Tunnel, mein Navi sagt, jetzt wird es wieder schön kurvig und es sind nur noch 20 km.

 


 

Die Strecke selbst ist wunderschön! Viel durch die Berge, toll ausgebaut und wirklich landschaftlich einmalig. Das Wetter spielte mit und ich habe es mehr als genossen. Nicht wirklich in der Zeit, doch was solls. 

 

Gegen 19:30 Uhr parkte ich mein Auto in Genua am Strand und suchte mir ein nettes Restaurant um mein Willkommens Bierchen, das ich mir heute wirklich verdiente, zu genießen. Den Blick gab es kostenlos dazu. 

 

 

Aus den eigentlichen 635 km und ca. 6:45 Stunden Fahrt, wurden mal eben mal mehr als 750 km und 11 Stunden inclusive ungewollte Abstecher über den Jaufenpass und in die Werkstatt. (Das war heute fast wie ein Langstreckenflug 😂)

 

Mir ging es gut, doch danach war nicht mehr viel mit mir anzufangen. Es war ein langer Tag, ich ging zum Auto, zog mich um und verabschiedete den Tag. Meine erste Nacht in meinem selbst ausgebauten, kleinen Camper, ich konnte es ja kaum erwarten.

 

Hat mich einiges an Arbeit gekostet, doch ja, ich fand es mehr als gelungen und ich schlief so gut darin! Ich war ja schon so ein bisschen stolz auf mich. 😊

 

Rückbank ausgebaut, ausgemessen, Gestell eingebaut, 4 Schubladen und die Matratze drauf - fertig. Liegefläche 140x180 was gar nicht so klein ist,für einen Toyota Verso, zumindest aber für mich mehr als ausreichend.

 


 

Guten morgen Genua! Sehr früh schon wach, aber ausgeschlafen!

 

Mal eben das Bad am Strand aufgesucht, für eine Runde schwimmen war es mir etwas zu frisch, ein wenig gefrühstückt, und schon ging es weiter in den Tag.

 

Ich fuhr etwas die Küste entlang, es war noch richtig schön verschlafen rundherum und herrlich ruhig! Doch das Wetter war schon wach und am Himmel zog es mehr und mehr zu. Gar nicht schön und nur gut, dass ich in die andere Richtung weiter muss. Hoffe also, es holt mich nicht ein.

 

 

 

 

 

Ich musste noch tanken, und ja, spätestens hier, war auch ich hellwach! Willkommen in Italien, mit Spritpreisen für eine glückliche Weiterfahrt.

 


 

Anschließend sollte es auch schon weiter gehen - Pisa ist heute mein Ziel. Doch so auf dem direkten Wege komme ich auch dort natürlich auch nicht an.

 

Mein Auto machte schon nach wenigen Metern, komische Geräusche, was letztendlich so laut wurde, dass es in den Ohren weh tat. Alles drehte sich in meine Richtung, peinlicher konnte es kaum sein. Meine Bremsen blockierten und dann ging gar nichts mehr. 

 

Mitten im Berufsverkehr, mitten in Genua, parkte ich also mein Auto, so halbwegs erlaubt, an der Straße. "Verdonnerte" noch eben einen Passanten, kurz darauf zu achten, sollte die Polizei oder ähnliches kommen, ich bin gleich wieder da!

 

Die nächste Werkstatt war gleich ums Eck, und so lief ich mit Google Maps durch Genuas Gassen, bis ich völlig außer Atem die Werkstatt erreichte, die mir Google angezeigt hat. Hm war nicht wirklich die Werkstatt, nur der Verkaufsraum, aber der super liebe Geschäftsführer, schloss gleich mal den Laden ab, ging mit mir zurück zum Campi und "fuhr" ihn in die Werkstatt. Ich wäre keinen Meter mehr mit diesem Wagen gefahren.

 

Verständigen war auch super spannend, doch mit meinen 10 Wörtern Italienisch und seinen 10 auf Englisch, verstanden wir uns wirklich überraschend schnell und gut.

 

Auch in der Werkstatt waren sie super freundlich. Ließen sofort alles liegen und stehen und schauten sich meinen Campi an. Ich betete nur, dass es irgendetwas ist, was man hier und jetzt auf der Stelle wieder fixen kann, denn mir lief die Zeit davon.

 

Aber ja tatsächlich wurde das Problem schnell gefunden und auch behoben. Es war ein Bolzen, oder wie auch immer man das nennt, an der Bremse hinten links nicht fest. Nicht dass er sich gelockert hätte, nein, der Meister meinte, der wurde gar nicht erst festgemacht (they forgot to lock it!) Es wäre ein Wunder, dass ich nicht schon früher Probleme bekommen habe..

 

Mein Gedanke war nur die Strecke gestern, erst den Jaufenpass rauf und runter und dann hier, die Bergstrecke kurz vor Genua... WOW

 

 

Wenige Minuten später, war alles schön fest und das Auto wieder am Boden. Tatsächlich wollten Sie dafür nicht mal bezahlt werden. Sie wünschten mir nur weiterhin die Schutzengel mit auf meiner Reise und wünschten mir eine tolle Zeit. 

 

 

 

 

 

Vielen lieben Dank dafür, und auch die Freundlichkeit und schnelle Hilfe! Ihr wart heute die  Engel und Helden meines Tages!

Für Genua selbst blieb mir also nun leider keine Zeit mehr, und so ging es gleich weiter, die Küste entlang, Richtung Pisa.

 

Enge Gässchen in den kleinen Ortschaften zwischendurch, bunte Häuser und was für Ausblicke. Die Strecke ist herrlich, auch wenn das Wetter hinter mir her war.

 


 

Ca. 2 Stunden und 160 km weiter, erreichte ich Pisa - bei strömenden Regen, so dass ich erstmal im Auto etwas gegessen hatte und den Regen abwartete.

 

Pisa, was wollte ich eigentlich in Pisa? In der Tat fragte ich ich das ziemlich schnell. Die Stadt war voll, der Verkehr stand und ja, Pisa? Ich bin ja so gar nicht der Sehenswürdigkeiten Reisende...

 

Der Regen hatte etwas nachgelassen und nach ein paar Runden, fand ich dann doch irgendwann einen Parkplatz in der Nähe und machte mich auf den Weg. Ein Navi braucht man dann nicht mehr, einfach hinter den Menschenmassen herlaufen. Gott was für ein Graus!

 

 

 

 

 

 

Schau dir das mal an! Menschenmassen! Und dabei war das erst der Eingang...

 

Ich mochte es nicht, vor allem aber auch, weil ich auch eigentlich keine Bilder schieße, auf denen Menschen im Hintergrund oder rundherum zu sehen sind. Vielleicht ist dir das schon mal aufgefallen. 

 

Es wurde für mich also richtig schwer, hier ein schönes Motiv zu finden und letztendlich gibt es nur Bildausschnitte. Damit kann ich aber ganz gut leben! 

 

 

Diesen Ausschnitt zum Beispiel liebe ich! 

 

 

Irgendwie fand ich auch die Gebäude drumherum, ne, eigentlich alles andere, viel schöner und interessanter, als diesen Turm mit all den Schaulustigen. Keine 10 Minuten später, war ich wieder auf dem Rückweg zum Auto und einmal mehr bestätigte es mich, dass mein planlos reisen und auf Sehenswürdigkeiten zu verzichten viel entspannter und interessanter für mich ist, als das.

 

Und ja, tatsächlich gab es auf dem Weg zurück mehr für mich zu sehen, als gedacht.

 


 

Für nicht mal 30 Minuten bezahlte ich dann mal schnell 8 Euro fürs Parken haha ja, heute läuft es und bitte, das muss einem die Menschenansammlung schon wert gewesen sein.

 

 

 

Ich hab beschlossen, gleich weiter zu fahren. Es regnete mittlerweile wieder und ja, das bisschen Pisa reichte mir bereits.

 

Mein Navi blieb erst mal aus, denn wie heißt es so schön?

 

Alle Wege führen nach Rom 😀

 

Weitere 350 km, die ich jedoch größtenteils auf auf der Autobahn verbrachte. Die Sonne begleitete mich wieder ein Stückchen und die Landschaft auf beiden Seiten zeigte sich in bestem Licht. Das ist auch wirklich unglaublich toll hier, ich hab das Stückchen Toskana wirklich genossen.

 

Rom erreichte ich aber dann bereits im Lichtermeer. 2 Stunden stop and go durch die Stadt, und habe somit nicht mehr davon mitbekommen. Sehr schade, aber ja, bei 5 Tagen Verspätung, einigen Pannen zwischendurch, ist das eben nicht mehr drin.

 

 

 

Hach ja, what a trip !

 

Wenn man ihn zusammenfasst...

Genua, blockierte Bremsen

Pisa, Regen aus Eimern

Rom, Stau im dreispurigen, roten Lichtermeer

 

Doch jetzt sitze ich irgendwo hoch oben, unter mir schimmert der See, der Mond scheint in voller Pracht, lächelt... und alles ist gut, Irgendwo im Nirgendwo.

 

 

Tag 3

 

Guten Morgen aus......... Irgendwo! Tatsächlich weiß ich nicht genau, wo ich bin, doch wenn man mit diesem Ausblick wach wird, ist das auch total nebensächlich, oder?

 

 

Hier kann man nur mit guter Laune in den Tag starten. Kurz noch unterwegs einen Kaffee besorgt und los ging es! Mein Ziel heute, ca. 230 km weiter, ist erstmal Neapel Ja richtig, erstmal, denn klar, kommt es heute wieder einmal anders, als gedacht.

 

Kurz vor 11 und noch ca. 20 km von Neapel entfernt, sagte der Regen mal wieder Hallo! Als hätte ich ihn nicht eh schon so vermisst. (Du siehst, ich habe Toni mein TomTom wieder im Einsatz, das neue Teilchen funktioniert so gar nicht, verdient sich nicht mal nen Namen!)

 

Keine 10 Minuten später, herrscht hier Weltuntergang. Der Himmel war offen. Es goß, was runterkommen konnte und ein fahren war kaum mehr möglich. Die Straßen standen unter Wasser, auch in der Stadt war es nicht besser. Teilweise bereits Straßen gesperrt und ich stand so tief mitten drin, dass ich Angst hatte es läuft mir bei den Türen rein. 

 



 

Ja du "schönes" Napoli, heute liegt es nicht an mir, dass ich dich gleich mal links liegen lasse, die Flucht einschlage, und mich auf den Weg zur Amalfi Küste mache!

 

(Leider muss ich dazusagen, das war erst der Anfang in Napoli, ich hörte Tage später im Radio, dass Napoli seit Tagen diese Regengüsse hat und komplett unter Wasser stand. Ziemlich traurig)

 

 

Für mich ging es zurück auf die Autobahn - noch ein Stück bis Angri und dann ab Sant’Egidio del Monte Albino (Was für ein schöner Name!), hoch in die Berge.

 

Oh es wird kurvig, richtig schön kurvig! Und Gott sei Dank, ist es hier wieder etwas trockener! Ich habe diese Strecke so sehr genossen und die Landschaft dazu, noch viel mehr. Habe an einem Aussichtspunkt Andrea getroffen, mit dem ich kurz, wieder mit Händen und Füßen, getratscht und herzlich gelacht habe, das liebe ich ja, egal wo ich bin. ❤️

 


 

Knapp 30 km die Berge hoch und wieder runter und schon war ich wieder am Wasser, in Amalfi. Der Regen war hier auch längst angekommen und es sah so gar nicht danach aus, als würde es in naher Zukunft besser werden. 

 

Ich genoss einen Cappuccino am Strand und etwas die Aussicht. Das Wetter konnte mir gerade gar nichts an, denn ich hatte immer noch die Fahrt durch die Berge im Kopf.

 

 

Dann kann es auch schon wieder weitergehen, und ja, jetzt ist es soweit! Die Amalfi Küste, mal sehen, ob sie das verspricht, was man Ihr nachsagt. 

 

Aber ja, schon nach wenigen Kilometern war die Begeisterung dieser Strecke bereits da. 😉 Es war noch trocken, von den Blicken nicht zu sprechen. Ich fand es nur so schade, dass es viel zu wenige Möglichkeiten gab, um anzuhalten und hier auch mal das Ganze in Ruhe zu genießen. Und wenn, waren Sie meist schon zugeparkt.

 

 

Ich habe die Fahrt erneut genossen und wäre die Strecke tatsächlich am liebsten gleich nochmals gefahren. Fast kein Verkehr, das Wetter spielte mit, einfach traumhaft schön!

 

Es war spät nachmittags, als ich Salerno erreichte. Erblickte gleich mal den Hafen, von wo aus es morgen weiter geht, nach Palermo/Sizilien.

 

 

Ich freute mich schon riesig auf Sizilien, und ahnte nicht im Geringsten, dass all das, was mir bisher auf dem Weg passierte, erst der Anfang war und nichts gegen das, was mich noch erwartete.

 

Kurvte ein wenig durch Salerno und machte Rast in einem Burgerladen, mit Blick auf die Stadt. Es wird entspannt heute weitergehen, denn meine Fähre startet morgen Mittag. Zeit für ein bisschen Strand. 

 

 

 

 

 

 

Park Lift!

Parken mal anders 😉

 

Über die App suchte ich mir einen kostenlosen Parkplatz für die Nacht, am Wasser und ließ entspannt den Tag ausklingen. Es war nicht viel los, aber auch nicht überraschend, denn der Himmel zog erneut zu und brachte mir ein Naturschauspiel erster Klasse!

 

Sonne, Wolken, Gewitter, all das innerhalb kurzer Zeit. Ich saß in meinem Campi und konnte gar nicht genug davon bekommen! Natur! Wie gewaltig und schön zugleich! 

 

 

Es wurde ziemlich schnell zieeeeeemlich dunkel, rundherum donnerte es bereits und ich war mal wieder in meinem Element. Ich liebe Gewitter! In den Bergen sind sie unfassbar und auch hier am Wasser, war es nicht weniger beeindruckend! 

 

Ist das nicht der Wahnsinn? Und dabei kam es noch viel besser haha

 

 

Mit einem Bierchen und der Kamera auf der Mauer vor meinem Campi, saß ich dann stundenlang auf der Lauer und versuchte, die Blitze einzufangen. Ok, ich gebe zu, meine Kamera ist hiefür nicht wirklich gemacht, und meine Reaktionszeit wurde Dank dem Bier, auch nicht wirklich besser. Doch kann es ernsthaft so schwer sein, so einen Blitz zu erwischen!

 

Stunden! Ich meine wirklich stundenlang blitzte und donnerte es vor sich hin, es war ein unglaubliches Schauspiel dort am Himmel. Ich war wie gefesselt, leider aber auch so, so langsam haha doch so ein paar erwischte ich und wäre meine Kamera jetzt etwas besser, könnte man die Bilder sogar verwenden...

 

 

Das hier aber liebe ich !

 

 

Die Blitze gaben sich wirklich die Hand, teilweise 3, 4, 5 hintereinander - unfassbar toll!

 

So ging es fast die ganze Nacht weiter, schwächte ab und früh morgens erwachte ich mit Sonnenschein, als wäre nichts gewesen.

 

Tag 4

 

Guten Morgen Salerno! Ich freue mich auf den Tag und die Weiterreise nach Sizilien... dache ich noch so, doch schon kurz darauf sollte alles ganz anders kommen. 

 

Siehst du in den Wolken auch Engelsflügel?

 

 

Tatsächlich dachte ich am Morgen noch, was für eine schöne Wolkenformation, Engelsflügelchen, dass mir wenig später tatsächlich ein Engel geschickt wurde, ahnte ich noch nicht einmal.

 

Abfahrt meiner Fähre, 13 Uhr. Ich hatte also noch etwas Zeit, den Morgen am Strand zu genießen. Was ich auch tat.

 

Leider nicht wirklich sehr lange. Denn als ich zwischendurch, wegen einem Bauchgefühl,  zum Auto zurück bin, was keine 15 Meter von mir entfernt war, kam das böse Erwachen. 

 

Schon vor dem Auto war mir klar, hier ist etwas mächtig faul. Es lagen Sachen von mir am Boden, oder teilweise noch in der Tür eingeklemmt. Ich gehe davon aus, ich habe alles nur ganz knapp verpasst.

 

Mein Auto wurde aufgebrochen und sie klauten mir wirklich ALLES raus, was man sich nur denken kann. Kamera, Laptop, die Navis, Geld alle Klamotten, Schuhe, sogar das Essen und die einzelnen Wasserflaschen. Meine versteckte Kreditkarte, und die war wirklich in einer der Schubladen oben an der Decke befestigt, hinten im Kofferraum... Alles einfach!

 

Ich war bewegungsunfähig!

 

Saß auf der Mauer vor dem Auto und wusste nicht, was ich jetzt zu tun hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben, fühlte ich einfach nur hilflos!

 

Ich weiß nicht, wie lange ich dort auf der Mauer saß, wie gelähmt, bis ich dann doch mal anfing, die Leute auf den Parkplätzen und auf der Straße zu fragen, ob sie etwas gesehen haben. Nichts! Und mal davon abgesehen davon, dass alle nur Italienisch gesprochen haben.

 

Ich stand also da, mit meinem Auto, den Schlüsseln, mit den Klamotten, die ich am Strand mit hatte und 7 Euro in Kleingeld, was sie mir netterweise gelassen haben. Einem Handy mit nur noch einem Balken Akkukapazität und Sprit im Tank, der mich vielleicht noch max. 100 km weit kommen lässt.

 

Mir kamen die Tränen, ich wusste nicht weiter und irgendwie wollte mich keiner verstehen, bis ein junger Kerl ankam, der mich auf englisch ansprach und meinte, ich sehe aus, als könnte ich Hilfe brauchen.

 

Mein Gedanke, dich schickte der Himmel!

 

Alfonso! Der, wie sich dann rausstellte, mein Engel war! Unglaublich!

 

Eigentlich alles nur Zufall, denn er hatte spontan frei, weil es in seiner Firma unerwartet technische Probleme gab, und er nicht weiter arbeiten konnte. Ich sage, es war Schicksal! 

 

Er rief mir die Polizei, die auch ziemlich schnell da war, doch leider auch nicht viel ausrichten konnte. Sie nahmen die Anzeige auf, sahen sich da Auto an. Für Sie nicht überraschend nur Fingerabdrücke, keine Einbruchsspuren, oder Schäden zu sehen, und dann war ich auch schon auf dem Weg, mit Ihnen auf die Polizeistation in Salerno.

 

 

Für Alfonso war es selbstverständlich, mich zu begleiten, denn auch die beiden Polizisten konnten kein Wort Englisch oder Deutsch.

 

Auf der Wache übersetzte mir Alfonso wieder alles, bis ich in ein Büro gerufen wurde, und mir ein Dolmetscher zur Verfügung stand.

 

Wir nahmen die Anzeige auf, was etwas dauerte, weil ich wirklich durch den Wind war. Wir sperrten telefonisch meine Karten und auch die Pässe und Führerschein wurden gleich als gestohlen eingetragen. Ich bekam Kekse um mich zu beruhigen und danach waren Sie tatsächlich noch so lieb, dass sie mich im Polizeiwagen zu Western Union gefahren haben, damit ich mir hier Geld überweisen konnte. Zumindest war es so gedacht.

 

Alfonso verabschiedete sich, ließ mir aber noch seine Nummer da und meinte, ganz egal was, aber wenn noch irgendetwas ist oder ich etwas brauche, sollte ich mich nochmals melden. 

 

 

Auf dem Rücksitz im Polizeiwagen, Plastiksitze und Handschellen. Ich kam mir etwas wie ein Verbrecher vor, und die Gesichter der Passanten auf der Straße, machten es nicht einfacher, als ich ausstieg. Was für ein ungutes Gefühl! 

 

Nicht besser wurde es, als mir die Western Union erklärte, es wäre nicht möglich, mir Geld zu überweisen, beziehungsweise dies in Empfang zu nehmen, da ich mich nicht ausweisen konnte. Ist das zu glauben? Die haben doch den Schuss nicht gehört! Aber so war es und es half nicht mal was, dass die Polizei ihnen den Ernst der Lage erklärte.

 

Wir fuhren zurück zur Wache und dann saß ich da. Keinen blassen Schimmer, wie es weitergehen sollte. Mein Handy, mittlerweile tot und bis der Akku geladen ist...

 

Ich fragte die Dame am Empfang, ob ich vielleicht telefonieren könnte, hab ja noch 7 Euro, das kann ich gerade noch bezahlen.  Ich rief Alfonso an, denn alle anderen Nummern waren im "toten" Handy.

 

Erklärte ihm kurz, was passiert ist und er sagte sofort, bleib dort, ich komme zurück.

 

Wenn du mich kennst, weißt du, dass es mir ganz, ganz schwer fällt, Hilfe anzunehmen, von Fremden aber ist es eigentlich komplett auszuschließen und wenn es um Geld geht, ein NO GO !

 

Doch heute war nichts mehr zu machen. Mittellos in Salerno. Die Fähre nach Palermo längst weg und Sizilien eh schon seit Stunden abgeschrieben.

 

Alfonso kam zurück und bot an, mir 400 Euro zu leihen, so dass ich nach Hause fahren konnte. Das Geld hatte er bereits in der Hand. Ich war sprachlos!

 

Zudem sorgte er für eine Unterkunft, denn heute Nacht schlafe ich keinesfalls im Auto - meinte er, mir hätte das ja nichts ausgemacht, Bettdecken hatte ich noch...

 

Aber genau so war es dann auch letztendlich. Ich stieg ins Auto und fuhr ihm hinterher, Irgendwo im Nirgendwo in den Bergen gab es noch ein Hotelzimmer, was er mir natürlich auch noch auslegte. Für ihn selbstverständlich und ich konnte das alles gar nicht wirklich aufnehmen. War einfach zu viel heute.

 

Auf dem Weg dorthin, haben wir uns dann auch noch verloren, und ich dachte nur, kann es nicht endlich mal genug sein, heute? Mit dem letzten Saft, von dem, was schon wieder geladen wurde, erreichte ich ihn und wir fanden uns wieder.

 

Es war bereits gegen 23 Uhr, strömender Regen, als ich Alfonso im Hotel verabschiedete, eincheckte und halb tot in mein Bett fiel.

 


 

Am nächsten Morgen, wurde mir dann erst so richtig bewusst, was denn gestern eigentlich passiert ist. Neben der Tatsache, dass mir alles geklaut wurde, was ich mit mir hatte, traf ich einen Menschen, der mir so aus reiner Herzlichkeit und Nächstenliebe 400 Euro geliehen hat. Ein wildfremder Mensch!

 

Ich versprach ihm, dass ich es sofort überweise, wenn ich zu Hause angekommen bin, worauf er meinte, kauf du dir erst mal noch was zu Essen, dein Kühlschrank zu Hause ist bestimmt leer. 

 

Ja, mein Engel, ich weiß nicht wirklich, wie das am Ende ohne ihn ausgegangen wäre. Nachdem Freitag war, keine Bank mehr was unternehmen konnte und die Ämter alle bereits zu waren, war er wirklich der Retter in der Not.

 

 

Tag 5

 

Ich machte mich auf den Heimweg, total frustriert, ärgerte mich über mich selbst, weil ich meinem Bauchgefühl nicht traute. Ich wusste, als ich am Strand saß, dass ich beobachtet werde und mein Bauch sagte mir ganz deutlich, dass hier etwas nicht stimmt. Doch zum ersten Mal habe ich diesem Gefühl widersprochen, blieb weiter am Stand und habe zu spät "nachgegeben"... DAS war es, was mich am aller, allermeisten an der ganzen Sache störte. Daran änderte auch die Aussage der Polizistin auf der Wache nichts, die meinte, ist eine organisierte Bandenkriminalität, die in fast allen Fällen bewaffnet sind und nicht immer gut ausgehen.  Sagte mir mein Bauch also doch, vielleicht unbewusst, dass zwar etwas nicht stimmt, ich aber ruhig bleiben sollte?

 

Ich weiß es nicht und der Gedanke lässt mich auch die ganze Fahrt über nicht los. Ich könnte Schreien!

 

1263 km und 13 Stunden später kam ich in Rosenheim an. Ich fuhr die Strecke, mit kleinen Pausen, aber ziemlich zügig durch. Genossen habe ich relativ wenig, weil ich so angefressen war, dass ich nun auch noch meinen Geburtstag in Deutschland verbringe, aber vor allem damit, sämtliche Ämter abzuklappern, weil mir so gut wie alles fehlte. Karten, Ausweise und Fahrzeugschein... Alles einfach!

 

(Als ich zu Hause einen neuen Führerschein beantragte und meinen auch hier als gestohlen meldete, fragte man mich, wie ich denn zurück nach Deutschland gekommen bin? Ohne Führerschein, ist das Fahren verboten. Ernsthaft? Ich sagte nur, sorry, aber das war wirklich mein kleinstes Problem!)

 

Mit einem letzten Handy Bild, Kamera hatte ich ja keine mehr, verabschiede ich mich nun aus diesem Roman Eintrag und sage Dankeschön fürs Durchhalten. 

 

Ich wünsche diese Erfahrung, mittellos, alleine, wo auch immer auf dieser Welt, wirklich niemandem und hoffe, du wirst auf all deinen Reisen davon verschont!

 

 

Glück an der ganzen Sache und etwas, was mich wirklich unglaublich freute, dass all meine Photos bereits in der Cloud waren und ich zumindest diese nicht verloren hatte. Von Alfonso gar nicht zu sprechen, denn das kann man gar nicht mehr gut machen! 1000 Dank, du wundervoller Mensch!

 

Italien ist für mich jedenfalls erstmal gestorben. Sorry, aber das war eins zu viel!

 

Bis bald, zu meiner nächsten Chaos Reise! 

 

 

Deine Susie

 

PS: Schön, dass du da bist !



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